Prof. Dr. Dagmar Jank |
Der Medien- und Informationsbedarf von Frauenbeauftragten an Hochschulen und von Frauenforscherinnen: Ergebnisse einer Umfrage
1. EinleitungBibliotheken und Archive sind wichtige Forschungs- bzw. Informationsinfrastruktureinrichtungen. Die dort arbeitenden Personen befassen sich noch viel zu selten mit den speziellen Wünschen ihrer doch recht heterogenen Klientel. In einer im Wintersemester 1996/97 durchgeführten Umfrage sollte einmal der Medien- und Informationsbedarf zweier Benutzerinnengruppen - Frauenbeauftragte an Hochschulen und Frauenforscherinnen - eruiert werden. Zum zweiten sollte geprüft werden, inwieweit nach ihrer Einschätzung Bibliotheken und Archive eine qualifizierte frauenspezifische Informations- und Dokumentationsarbeit leisten 1. Von diversen Wissenschaftsgremien kommen - vor allem an die Adresse von Bibliothekar/innen gerichtet - immer wieder Verbesserungswünsche und Anregungen, die allerdings oft sehr ungenau formuliert werden. So schlägt beispielsweise die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung in ihrem Bericht „Förderung von Frauen im Bereich der Wissenschaft" vom 25. März 1996 vor, daß in den Hochschulen und in den von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Forschungseinrichtungen die Bibliotheksbestände zur Frauenforschung „erfaßt, erschlossen und katalogisiert" werden. Dieser Satz ist ebenso banal wie überflüssig. Mit öffentlichen Geldern erworbene Medien werden selbstverständlich in Bibliotheken erfaßt, erschlossen und katalogisiert. Es kommt natürlich auf die Art der Inhaltserschließung an, worauf dieser Bericht aber nicht näher eingeht. Einige Fragen, die im Rahmen einer frauenspezifischen inhaltlichen Erschließung von Bibliotheksbeständen diskutiert werden müßten, hat Sarah M. Pritchard, die Direktorin der Bibliothek des Smith College in Massachusetts, 1994 auf der 2. Internationalen Konferenz der Frauenarchive und -bibliotheken formuliert: Was sind überhaupt frauenspezifische Informationen? Wie definieren wir „Women’s Studies"? Welche Informationen brauchen Frauenforscherinnen? Was fehlt in (traditionellen) Bibliotheken und Archiven und warum? Wie beeinflussen die Auswahlkriterien und die Bearbeitungsprioritäten dieser Institutionen die Informationen? Welche Medien und Informationen werden vielleicht gesammelt, dann aber durch die Verwendung eines sexistischen Sprachgebrauchs bei der Inhaltserschließung unsichtbar, unauffindbar? Was fehlt, weil es von den Auswählenden als ephemer eingestuft wurde? Welche Rolle spielen Bibliotheken bei der Informationssuche 2 ? Die Bibliothekswissenschaftlerin Hur-Li Lee stellte auf der Konferenz die Frage, ob es sinnvoll sein könne, „Women’s studies librarians", also Bibliotheksspezialistinnen für „Women’s studies", einzusetzen 3. Frauenbeauftragte an Hochschulen und Frauenforscherinnen, überwiegend aus dem geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich, arbeiten in und mit Hochschulstruktureinrichtungen, zu denen die Universitätsbibliothek und/oder die Instituts-/Fachbibliotheken eines universitären Bibliothekssystems gehören. Historisch arbeitende Frauenforscherinnen benutzen auch Archive. Für die beiden Benutzerinnengruppen wurden zwei weitgehend identische Fragebögen entwickelt; der Fragebogen für die Frauenforscherinnen wurde lediglich um einige Fragen zur Archivbenutzung erweitert. Die Adressen aller Frauenbeauftragten an Hochschulen wurden der CD-ROM-Datenbank „Frauennetze ‘97" entnommen. Anfang November 1996 wurden 125 Frauenbeauftragte angeschrieben mit der Bitte, den Fragebogen bis zum 6. Dezember 1996 zurückzuschicken. 84 Frauen schickten den Fragebogen zurück (67 %). Schwieriger war es, die Namen und Adressen von Frauenforscherinnen herauszufinden. Es war von Anfang an klar, daß an eine Befragung aller in der Bundesrepublik lehrenden und/oder wissenschaftlich arbeitenden Frauenforscherinnen nicht zu denken war. Ich habe mich für den pragmatischen Weg entschieden und Institutionen angeschrieben, die in der bereits erwähnten CD-ROM-Datenbank „Frauennetze ‘97" unter folgenden Kategorien subsumiert sind (teilweise mit Mehrfacheintragungen): Archiv, Berufsverband, Bibliothek, Datenbank, Forschungseinrichtung, Frauenstudien/Women’s Studies, Frauenabteilung in Verbänden/ Organisationen, Geschichtsprojekt, Informations- und Dokumentationsstelle. Insgesamt wurden 65 Einrichtungen angeschrieben. In der zweiten November-Woche wurden die Fragebögen verschickt mit der Bitte um Rücksendung bis zum 13. Dezember 1996. Es kamen insgesamt 51 Fragebögen zurück. Die Kommission Frauenforschung der „Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft" erklärte sich freundlicherweise bereit, den Fragebogen ihrem nächsten „Rundbrief" beizulegen. So kamen im Juni 1997 noch die Fragebögen von 22 Erziehungswissenschaftlerinnen dazu. Insgesamt wurden also 73 Rückläufe von Frauenforscherinnen gezählt. |
2. Der Medien- und Informationsbedarf von Frauenbeauftragten an Hochschulen
Der Fragebogen umfaßte 8 Fragen, unter 9. waren freie Anmerkungen zum Thema möglich. 2.1. Welche Medien und Informationsquellen benutzen Sie für Ihre Arbeit?
Folgende Medien und Informationsquellen konnten angekreuzt werden (Mehrfachnennungen waren möglich): Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Dissertationen, Graue Literatur, Fachbibliographien (Printform), CD-ROM-Datenbanken, Internet, Frauennetzwerke, Kontakte zu Fachleuten, Sonstiges (mit Nennung). Es wurden genannt (in Klammern die Anzahl der Nennungen): Bücher (83), Zeitschriften (81), Persönliche Kontakte (76), Zeitungen (72), Frauennetzwerke (60), Internet (48), Graue Literatur (46), Dissertationen (33), Fachbibliographien (Printform) (29), CD-ROM-Datenbanken (22). 2.2 Für welche Medien und Informationsquellen greifen Sie auf das Angebot von Hochschulbibliotheken zurück?
Es konnten angekreuzt werden (wieder mit Mehrfachnennungen): Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Dissertationen, Graue Literatur, Fachbibliographien (Printform), CD-ROM-Datenbanken, Internet, Sonstiges. Es wurden genannt: Bücher (68), Zeitschriften (62), Zeitungen (28), Dissertationen (25), Fachbibliographien (Printform) (21), CD-ROM-Datenbanken (14), Internet (13), Graue Literatur (12). Keine Angaben machten fünf Frauenbeauftragte, zwei gaben an, sie hätten keine Zeit, Hochschulbibliotheken zu benutzen. 2.3. Sind die Medien und die Informationsquellen der Hochschulbibliotheken Ihrer Ansicht nach inhaltlich in einer frauenspezifischen Sprache erschlossen?
41 Frauen waren der Ansicht, dies sei nicht der Fall, 15 bejahten die Frage, ebensoviele hatten keine Meinung zu diesem Thema. Fünf Frauen meinten, dies geschehe nur teilweise. Vier Frauenbeauftragte gaben ihrer Verwunderung über die ihrer Ansicht nach verfehlte Frage unverhohlen Ausdruck, und ebenfalls vier gaben keine Antwort. 2.4. Wie beurteilen Sie die Serviceleistungen der Hochschulbibliotheken für Ihre Medien- und Informationswünsche?
Hier waren Noten von „sehr gut" bis „mangelhaft" zu verteilen. Die Beurteilung „sehr gut" wurde 7mal vergeben, die „gut" 19mal, die „befriedigend" 28mal, die „ausreichend" 6mal, die „mangelhaft" 12mal. Keine Antwort gaben 12 Frauenbeauftragte. 2.5. Gibt es in Ihrer Hochschulbibliothek eine Spezialistin für Frauenforschung, eine „Women’s studies librarian"?
65 antworteten mit „nein", 8 mit „ja", 11 wußten es nicht. 2.6. Würden Sie es begrüßen, wenn in Ihrer Hochschulbibliothek eine Spezialistin für Ihre Medien- und Informationswünsche zur Verfügung stünde?
61 antworteten mit „ja", 12 mit „nein", 11 gaben keine Antwort. 2.7. Welche Qualifikationen müßte diese Spezialistin haben?
Zu dieser offenen Frage kamen nur wenige Rückmeldungen. Die Antworten, die gegeben wurden, reichten von „Bibliothekarin mit besonderer Sensibilität für Frauenfragen", „Bibliothekarin mit sozialwissenschaftlicher Ausbildung und Kenntnissen der Frauen- und Geschlechterforschung" bis zum Wunsch nach Kenntnissen in Hochschulpolitik und Journalismus, dem Wunsch nach entsprechendem Knowhow beim Einsatz von Datenbanken und wissenschaftlicher Kompetenz. 2.8. Wo besorgen Sie sich die Medien und Informationen, die Sie in den Hochschulbibliotheken nicht bekommen?
Auch hier waren Mehrfachnennungen bei den Vorgaben möglich. Die Vorgaben waren: Hochschulverwaltung, Frauenarchive, -bibliotheken, -dokumentationsstellen, Stadtbibliothek, Frauennetzwerke, Persönliche Kontakte zu Fachleuten, Buchhandel, Sonstiges. Es wurden genannt: Persönliche Kontakte zu Fachleuten (62), Buchhandel (61), Frauennetzwerke (60), Frauenarchive, -bibliotheken, -dokumentationsstellen (54), Behörden (37), Hochschulverwaltung (34), Stadtbibliothek (15). 2.9. Weitere Anmerkungen
Hier wurde einmal angeführt, daß es nützlich sei, von Bibliotheken Bibliographien zu bestimmten Themen erhalten zu können.
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3. Der Medien- und Informationsbedarf von Frauenforscherinnen
Der Fragebogen umfaßte 11 Fragen. Unter 12. waren freie Anmerkungen zum Thema möglich.3.1. Welche Medien und Informationsquellen benutzen Sie für Ihre Arbeit?Folgende Medien und Informationsquellen konnten angekreuzt werden (Mehrfachnennungen waren möglich): Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Dissertationen, Graue Literatur, Fachbibliographien (Printform), CD-ROM-Datenbanken, Internet, Persönliche Kontakte, Sonstiges (mit Nennung). Es wurden genannt (in Klammern die Anzahl der Nennungen): Zeitschriften (72), Bücher (70), Persönliche Kontakte (67), Dissertationen (62), Graue Literatur (59), Zeitungen (56), Fachbibliographien (Printform) (52), CD-ROM-Datenbanken (38), Internet (29), Sonstiges: Filme, Videos (3), Photos (1), Buchhandel (1), Rundfunk (1), Verlags-Infos (1), Dias (1).3.2. Für welche Medien und Informationsquellen greifen Sie auf das Angebot von Hochschulbibliotheken zurück?Es konnten angekreuzt werden (wieder mit Mehrfachnennungen): Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Dissertationen, Graue Literatur, Fachbibliographien (Printform), CD-ROM-Datenbanken, Internet, Sonstiges. Es wurden genannt: Bücher (68), Zeitschriften (65), Dissertationen (50), Fachbibliographien (Printform) (35), CD-ROM-Datenbanken (33), Zeitungen (19), Graue Literatur (13), Internet (6), Sonstiges: Diathek, AV-Zentrum3.3. Sind die Medien und die Informationsquellen der Hochschulbibliotheken Ihrer Ansicht nach inhaltlich in einer frauenspezifischen Sprache erschlossen?Mit „nein" antworteten 57, mit „ja" 6, „teils/teils" meinten 7, drei Frauen konnten keinen Sinn in dieser Frage sehen.3.4. Wie beurteilen Sie die Serviceleistungen der Hochschulbibliotheken für Ihre Medien- und Informationswünsche?Hier waren wiederum Noten von „sehr gut" bis „mangelhaft" zu verteilen. Die Beurteilung „sehr gut" wurde 2mal vergeben, die „gut" 20mal, die „befriedigend" 26mal, die „ausreichend" 8mal, die „mangelhaft" 14mal. Drei gaben keine Antwort.3.5. Gibt es in Ihrer Hochschulbibliothek eine Spezialistin für Frauenforschung, eine „Women’s studies librarian"?Mit „nein" antworteten 62 Frauenforscherinnen, mit „ja" 5. Vier wußten es nicht, zwei gaben keine Antwort.3.6. Würden Sie es begrüßen, wenn in Ihrer Hochschulbibliothek eine Spezialistin für Ihre Medien- und Informationswünsche zur Verfügung stünde?Begrüßen würden dies 62 Frauen, 7 verneinten die Frage, drei gaben keine Antwort, eine meinte, sie wisse es nicht.3.7. Welche Qualifikationen müßte diese Spezialistin haben?Hier wurde ein breites Spektrum an Antworten gegeben, die zum Teil eine enge Verbindung zur fachlichen Ausrichtung der jeweiligen Frauenforscherin aufwiesen: Bibliothekarin/Dokumentarin mit Kenntnissen in der Frauenforschungsliteratur, die Spezialistin müßte besitzen: Kenntnisse in Datenbanken und Frauenforschung, kommunikative und didaktische Kompetenz, Internet-Kenntnisse, Kenntnisse in der Grauen Literatur zur Frauenforschung, sie solle am besten einen Abschluß in „Women’s studies" und eine Ausbildung im Bereich Archiv-Bibliothek-Dokumentation haben, solle Kenntnisse der neuen Technologien besitzen und über ein Überblickswissen in pädagogischer, psychologischer und sozialwissenschaftlicher oder historischer Frauenforschung verfügen sowie einen interdisziplinären Ansatz verfolgen.3.8. Wo besorgen Sie sich die Medien und Informationen, die Sie in den Hochschulbibliotheken nicht bekommen?Mehrfachnennungen waren möglich. Es waren vorgegeben: Spezialbibliotheken für das jeweilige Fachgebiet, Frauenarchive, -bibliotheken, -dokumentationsstellen, Stadtbibliothek, Frauennetzwerke, Persönliche Kontakte zu Fachleuten, Internet, Sonstiges. Es wurden genannt: Frauenarchive, -bibliotheken, -dokumentationsstellen (58), Persönliche Kontakte zu Fachleuten (53), Spezialbibliotheken für das jeweilige Fachgebiet (50), Frauennetzwerke (42), Stadtbibliothek (21), Internet (16), Sonstiges: Buchhandel (3), Fachverbände (1), Kauf (3).3.9. Arbeiten Sie im Rahmen Ihrer Forschungen in Staats-, Kommunal-, Medien-, Parlaments- und/oder Universitätsarchiven?Mit „ja" antworteten 41, mit „nein" 30. Zwei gaben keine Antwort.3.10. Wie finden Sie die frauenrelevanten Quellen in diesen Archivtypen?Es waren folgende Antworten möglich: Beständeübersichten, Sachthematische Inventare, Findbücher, Beratung durch Archivarinnen oder Archivare, Hinweise in der Sekundärliteratur, Persönliche Kontakte zu Fachkolleginnen/Fachkollegen, Sonstiges. Es wurden genannt: Beratung durch Archivarinnen oder Archivare (30), Hinweise in der Sekundärliteratur (30), Persönliche Kontakte zu Fachkolleginnen/Fachkollegen (28), Beständeübersichten (26), Findbücher (26), Sachthematische Inventare (17), Sonstiges: genannt wurden Intuition, eigene langwierige Suche, persönliche Vermutungen aus der Kenntnis bestimmter Sachzusammenhänge.3.11. Halten Sie es für wünschenswert, daß in Archiven die frauenrelevanten Quellen in sachthematischen Inventaren erschlossen werden?Mit „ja" antworteten 46, mit „nein" 4, unentschlossen zeigte sich eine. Erstaunlich war, daß auch viele Nicht-Benutzerinnen von Archiven sich für die Erarbeitung sachthematischer Inventare aussprachen. |
4. Auswertung und Schlußfolgerungen4.1. Der Medien- und Informationsbedarf von Frauenbeauftragten an HochschulenDie wichtigsten Medien - Bücher und Zeitschriften - werden meistens aus Hochschulbibliotheken entliehen. Allerdings greift man ebenso für Dissertationen, Fachbibliographien in Printform und CD-ROM-Datenbanken auf Bibliotheksbestände zurück. Zeitungen und Graue Literatur scheint man in anderen Einrichtungen zu benutzen, und auch im Internet recherchiert man nicht unbedingt in Bibliotheken. Bemerkenswert ist, welch große Bedeutung „Persönliche Kontakte" als Informationsquelle haben. Die Frage, ob Medien und Informationsquellen der Hochschulbibliotheken inhaltlich in einer frauenspezifischen Sprache erschlossen werden, stieß bei nicht wenigen Frauenbeauftragten auf Verwunderung, wenn nicht gar Ablehnung. Immerhin war knapp die Hälfte der befragten Frauen der Ansicht, daß dies nicht der Fall sei. Über die Hälfte der Frauenbeauftragten gab den Bibliotheken in puncto Serviceleistungen sehr gute bis befriedigende Noten. 72% der Frauenbeauftragten würden es begrüßen, wenn es eine „Women’s studies librarian" gäbe. Allerdings besteht noch weitgehend Unsicherheit über deren fachliche Qualifikationen, wie man an der geringen Zahl der Rückmeldungen zu Frage 7 sehen kann. Vielleicht halten die Frauenbeauftragten die Schaffung einer „Clearingstelle" für frauenspezifische Bibliotheks- und Informationsarbeit angesichts des Personalmangels und -abbaus in den Bibliotheken für utopisch und machten sich deshalb nicht die Mühe, auf diese Frage zu antworten. Neben den Hochschulbibliotheken nehmen persönliche Kontakte zu Fachleuten, der Buchhandel, Frauennetzwerke sowie Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen eine annähernd gleiche Bedeutung bei der Medien- und Informationsbeschaffung ein. Behörden, die Hochschulverwaltung und die Stadtbibliothek spielen eine weitaus geringere Rolle.4.2. Der Medien- und Informationsbedarf von FrauenforscherinnenBücher, Zeitschriften und Dissertationen sind die am häufigsten benutzten Medien der Frauenforscherinnen und gleichzeitig diejenigen, die am meisten in Hochschulbibliotheken gesucht werden. Aber auch Fachbibliographien in Printform und CD-ROM-Datenbanken werden - wenngleich nicht ausschließlich dort - in den Hochschulbibliotheken benutzt. Für Zeitungen, Graue Literatur und die Recherche im Internet sucht man offensichtlich eher andere Medien- und Informationsstellen auf. Für Frauenforscherinnen spielen persönliche Kontakte eine sehr große Rolle, sie rangieren gleich nach Zeitschriften und Büchern als drittwichtigste Informationsquelle. 78% der Frauenforscherinnen glauben nicht, daß die Medien- und Informationsquellen in Hochschulbibliotheken frauenspezifisch erschlossen sind. Die Beurteilung der Serviceleistungen entspricht in etwa dem Bild bei den Frauenbeauftragten: sehr gute bis befriedigende Noten gaben fast 66% der Frauenforscherinnen. Die Einrichtung einer Stelle für eine „Women’s studies librarian" würden 85% begrüßen. Die Frage nach den Qualifikationen wurde von den befragten Frauenforscherinnen weitaus häufiger beantwortet als von den Frauenbeauftragten. Wenn auch manches Mal das eigene Fachgebiet maßgeblich die geforderten Qualifikationen bestimmte, so läßt sich doch eine eindeutige Tendenz festhalten: Die „Women’s studies librarian" müßte eine Bibliothekarin/Dokumentarin mit Kenntnissen in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Frauenforschungsliteratur sein, sie sollte einschlägige Datenbanken und das Internet kennen und nutzen können und über die kommunikativen und didaktischen Kompetenzen verfügen, um ihr Wissen an die Kundin zu bringen. Bei der Frage nach sonstigen Medien- und Informationsquellen ergab sich eine andere Schwerpunktsetzung als bei den Frauenbeauftragten. Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen sind neben persönlichen Kontakten zu Fachleuten und Spezialbibliotheken für das jeweilige Fachgebiet wichtigste Anlaufstelle. Diese Einrichtungen haben sich damit zu einem wichtigen Arbeitsinstrument für die Frauenforschung entwickelt. Das Internet spielt bei den Frauenforscherinnen noch eine vergleichsweise geringe Rolle als Informationsquelle. Das mag sich in wenigen Jahren ändern. Andererseits arbeiten die hier befragten Frauenforscherinnen überwiegend in den leseintensiven Geistes- und Sozialwissenschaften, für die das Internet sicher immer nur ein Medium unter vielen sein wird. Bei den 41 Frauenforscherinnen, die Archivbestände benutzen, stehen mehrere Informationsquellen fast gleichrangig nebeneinander: die Beratung durch Archivarinnen/Archivare, Hinweise in der Sekundärliteratur, persönliche Kontakte zu Fachkolleginnen/Fachkollegen, Beständeübersichten und Findbücher. Als „ideales" Informationsmedium für Archivbestände werden sachthematische Inventare gesehen, auch von Nicht-Benutzerinnen von Archiven. Es gibt allerdings derzeit kaum sachthematische Inventare für die historische Frauenforschung 5.4.3. SchlußfolgerungenDie Schlußfolgerungen, die aus den Umfrageergebnissen gezogen werden, können natürlich nur vorläufig sein. Es wären weitere Untersuchungen in enger Zusammenarbeit zwischen Archivarinnen, Bibliothekarinnen, Dokumentarinnen, Frauenbeauftragten und Frauenforscherinnen nötig, um den Medien- und Informationsbedarf dieser beiden Benutzerinnengruppen noch präziser erfassen zu können. Bibliotheken und Archive müssen in Zukunft sehr viel mehr auf die Kunden-/Kundinnenwünsche eingehen, um ihre Existenzberechtigung in der Informationsgesellschaft zu behalten. Die verantwortlichen Personen in diesen Institutionen werden sich dieser Herausforderung stellen müssen. Die frauenspezifische Informations- und Dokumentationsarbeit könnte beispielsweise durch die Einrichtung einer nationalen Informations- und Dokumentationsstelle für frauenspezifische Fragen nach dem Vorbild Österreichs verbessert werden. Dort gibt es seit 1991 an der Nationalbibliothek in Wien ARIADNE. Diese Serviceeinrichtung ist mit folgenden Aufgaben betraut: „1) Hilfe bei frauenspezifischen Recherchen, 2) Sammeln und Sichten von Literatur zur Frauenforschung/Feministischen Forschung, 3) Auswertung von unselbständiger Literatur in einer eigenen Datenbank" 4. Der Schwerpunkt liegt auf der geisteswissenschaftlichen Literatur und Information. Es ist bewundernswert, in welch kurzer Zeit hier ein effizientes Fraueninformationssystem entwickelt und umgesetzt wurde und jetzt ständig weiterentwickelt wird. In Archiven könnten verstärkt sachthematische Inventare erstellt werden, eine Aufgabe, die allerdings zeitaufwendig ist und großer Sachkenntnis bedarf 6. |
Anmerkungen
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| è Diese Publikation wurde im Juli 1997 abgeschlossen. |