Hachschara in Brandenburg - die Vorbereitung junger Juden auf die Auswanderung aus Deutschland

Maßnahmen/Gesetze gegen Juden im "Dritten Reich"


| 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 |

1933

März

erste lokale Ausschreitungen der SA gegen Juden

1. April

Boykott jüdischer Geschäfte

7. April

Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums durch den Arierparagraphen werden die jüdischen Beamten (11. April), Arbeiter und Angestellte bei den Behörden (4. Mai) und jüdische Honorarprofessoren, Privatdozenten und Notare entlassen

22. April

jüdische Ärzte dürfen nicht mehr für Krankenkassen arbeiten

25. April

Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen Begrenzung der Anzahl jüdischer Schüler und Studenten entsprechend dem Bevölkerungsanteil auf 1,5 %

14. Juli

Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit Gesetz richtet sich gegen die Ostjuden

29. September

Reichserbhofgesetz: Bauer kann nur sein, wer deutscher Staatsbürger, deutschen oder stammesgleichen Blutes und ehrbar ist.

28. Dezember

jährliche Begrenzung der Neuaufnahme jüdischer Studenten an den Hochschulen auf 15 000

1934

up

5. Februar

Ausschluß jüdischer Studenten von Examen für Ärzte und Zahnärzte

22. Juli

jüdische Studenten nicht mehr zu Prüfungen beim Jurastudium zugelassen

18. August

Einschränkung der Zahl jüdischer Berufsschüler

8. Dezember

Juden nicht mehr zur Apothekerprüfung zugelassen

1935

up

13. Februar

Zulassungsbeschränkung für Zahnärzte

Mai-August

Boykottpropaganda gegen Juden gewaltsame Ausschreitungen in verschiedenen Städten lokale Verbote verbieten Juden den Zutritt zu Kinos, Schwimmbädern, Parkanlagen, Kurorten, Gaststätten

21. Mai

Arierparagraph für Offiziere

26. Juni

Juden wird der Eintritt in den Reichsarbeitsdienst verboten

8. Juli

Ariernachweis notwendig für die Aufnahme in die Reichsschaft der Studierenden

25. Juli

Nichtarier werden vom Wehrdienst ausgeschlossen

6. August

jüdische Künstler werden im Reichsverband jüdischer Kulturschaffender zwangserfaßt

10. September

Reichserziehungsminister Rust will noch im Schuljahr 1936 eine möglichst vollständige Rassentrennung durchführen

15. September

auf dem NSDAP-Parteitag Parteitag der Freiheit werden die Nürnberger Gesetze verkündet Reichsbürgergesetz,Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre

14. November

Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz entfernt Juden aus dem Staatsdienst und den öffentlichen Ämtern

1936

up

11. Januar

Juden dürfen nicht mehr als Steuerhelfer arbeiten

24. März

keine staatlichen Beihilfen mehr für kinderreiche jüdische Familien

26. März

Juden nicht mehr als Leiter oder Pächter von Apotheken zugelassen

15. Oktober

jüdische Lehrer dürfen keinen Privatunterricht an deutschblütige Schüler erteilen

1937

up

15. April

Juden dürfen nicht mehr promovieren

2. Juli

durch Runderlaß des Reichserziehungsministeriums werden Sonderklassen für jüdische Schüler an öffentlichen Schulen gebildet

4. November

Juden wird der Deutsche Gruß verboten

1938

up

28. März

Jüdische Gemeinden werden von bisher Körperschaften öffentlichen Rechts zu privaten Vereinen herabgesetzt

22. April

Verordnungen gegen die Tarnung jüdischer Betriebe durch arische Geschäftspartner

26. April

Anmeldung jüdischen Vermögens über 5 000 RM

19. Mai

1. Verordnung zum Personenstandsgesetz; frühere Zugehörigkeit zur jüdischen Religion ist zu vermerken

9. Juni

Zerstörung der Münchener Synagoge

14. Juni

jüdische Betriebe sind als solche zu kennzeichnen (3. Verordnung zum Reichsbürgergesetz)

15. Juni

Juni-Aktion ca. 1 500 jüdische Bürger werden, da sie als vorbestraft gelten (auch Verkehrsdelikt), verhaftet und in Konzentrationslager verbracht

Juni

Juden und Nichtjuden müssen in Krankenhäusern getrennt werden

6. Juli

Juden dürfen Auskunfteien, Maklergeschäfte, Bewachungsbetriebe, Heiratsvermittlungen, Hausverwaltungen, Fremdenführung und Wandergewerbe nicht mehr betreiben

23. Juli

Einführung einer mit J versehenen Kennkarte für Juden; gilt ab 1.1.39

25. Juli

allgemeines Berufsverbot für jüdische Ärzte; jüdische Ärzte dürfen nur noch Juden behandeln

10. August

Zerstörung der Synagoge in Nürnberg

17. August

Juden müssen ab 1.1.39 den zusätzlichen Vornamen Sara bzw. Israel annehmen Reichserziehungsminister Rust läßt die gesamte jüdische und hebräische Literatur in Deutschland erfassen

27. September

Berufsverbot für jüdische Rechtsanwälte; dürfen als Konsulenten nur noch jüdische Klienten vertreten

5. Oktober

Reisepässe von Juden werden eingezogen; Neuausstellungen sind mit einem J versehen

28. Oktober

17 000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit werden ausgewiesen und an die polnische Grenze gebracht

9. November

Reichskristallnacht

10. November

Jüdische Zeitungen werden verboten; es erscheint nur das offizielle Jüdische Nachrichtenblatt

12. November

Verbot der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen; als Sühneleistung müssen die deutschen Juden 1 Milliarde RM zahlen

15. November

Verbot des Besuchs öffentlicher Schulen

19. November

Juden haben nur noch Anspruch auf jüdische Wohlfahrtsunterstützung

21. November

Judenvermögensabgabe wird bei einem Freibetrag von 5 000 RM auf 20 % des Vermögens festgesetzt

3. Dezember

Führerscheine und Kraftfahrzeugzulassungen von Juden werden eingezogen

8. Dezember

Verbot des Besuchs von Hochschulen

12. Dezember

Beschränkungen bei der Ausfuhr von Wertsachen und Devisen bei der Auswanderung

21. Dezember

jüdische Schulkinder weiterhin schulpflichtig; nur noch Besuch jüdischer Privatschulen erlaubt

28. Dezember

Judenbann Verbot des Besuchs bestimmter öffentlicher Einrichtungen; Fahrt in Schlaf- und Speisewagen wird für Juden verboten

31. Dezember

Jüdische Verlage und Buchhandlungen geschlossen

1939

up

1. Januar

Verbot aller jüdischen Organisationen

17. Januar

jüdischen Zahn- und Tierärzten sowie Apothekern wird die Zulassung entzogen

24. Januar

Reichszentrale für jüdische Auswanderung geschaffen; Leiter wird der Chef der Sicherheitspolizei Heydrich

21. Februar

Juden müssen Schmuck und Edelmetalle abliefern

4. März

arbeitslose Juden werden zu Zwangsarbeiten verpflichtet

24. März

die zerstörten Synagogen sind durch die jüdischen Kultusvereinigungen abzutragen

30. April

Juden müssen arische Wohnhäuser räumen und Judenhäuser beziehen

16. Juni

Heilbäder und Kurorte sind nur noch mit Sondergenehmigung und bei strikter Rassentrennung für Juden betretbar

1. September

Beginn des 2. Weltkrieges Ausgangsbeschränkung für Juden ab 20 Uhr, im Sommer ab 21 Uhr

20. September

Juden müssen Radioapparate abliefern

12./17. Oktober

erste Deportationen von Juden aus Österreich und den Protektorat Böhmen und Mähren nach Polen

19. Oktober

als Sühneleistung wird die Vermögensabgabe der Juden von 20 % auf 25 % erhöht

1940

up

23. Januar

Juden erhalten keine Reichskleiderkarte, Lebensmittelkarten werden mit einem J versehen

12./13. Februar

erste Deportationen von Juden aus dem Reichsgebiet (Schneidemühl, Stettin, Stralsund) nach Lublin

Juni

Juden ist das Einkaufen erst ab 15.30 Uhr erlaubt

Juni/August

Madagaskar-Plan Plan der Deutschlandabteilung des Auswärtigen Amtes, die europäischen Juden auf der französischen Insel zu deportieren

29. Juli

Juden werden Telefonanschlüsse gekündigt

22./23. Oktober

Juden aus Baden, Saarpfalz und Elsaß werden ins unbesetzte Frankreich deportiert; Internierung im Lager Gurs

24. Dezember

Juden müssen neben der Einkommensteuer noch eine 15%ige Sozialausgleichsabgabe entrichten

1941

up

7. Januar

Juden müssen Sondersteuer in Höhe von 15 % entrichten

7. März

Juden werden zur Zwangsarbeit herangezogen

1. September

Juden ab dem sechsten Lebensjahr müssen den Gelben Stern tragen

18. September

Juden benötigen Erlaubnis für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln

1. Oktober

Verbot der Auswanderung jüdischer Staatsbürger aus dem Deutschen Reich

14. Oktober

Befehl zur Deportation von Juden aus dem Reichsgebiet (auch Berlin), Transporte bis Januar 1942

25. November

deportierten Juden wird die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt; ihr Besitz verfällt dem Deutschen Reich

30. November

10 000 deutsche und einheimische Juden bei Riga erschossen

12. Dezember

Verbot der Benutzung öffentlicher Telefone für Juden

1942

up

20. Januar

Wannsee-Konferenz in Berlin: Maßnahmen zur Endlösung der Judenfrage beschlossen

15. Februar

Juden dürfen keine Haustiere halten

17. Februar

Juden dürfen keine Zeitungen und Zeitschriften halten

13. März

Juden müssen ihre Wohnungen kennzeichnen

Ende März

erste Transporte von Juden aus Deutschland und Westeuropa auch nach Auschwitz

12. Mai

Juden dürfen keine arischen Friseure aufsuchen

11./22. Juni

Juden erhalten keine Rauch- und Eierkarten

12. Juni

Juden müssen alle elektrischen und optischen Geräte, Fahrräder und Schreibmaschinen abliefern

Juni

Beginn der Massenvergasungen in Auschwitz/Birkenau; Deportationen nach Theresienstadt

1. Juli

Unterrichtsverbot für jüdische Schüler

30. Juli

Jüdische Gemeinden müssen jüdische Kultgegenstände aus Edelmetall abliefern

19. September

Juden erhalten keine Fleisch- und Milchmarken

5. Oktober

Himmler befiehlt die Deportation aller Juden aus Konzentrationslagern im Reich nach Auschwitz

9. Oktober

Juden dürfen nicht mehr in arischen Buchhandlungen kaufen

1943

up

27. Februar

Juden aus Berliner Rüstungsfirmen nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert

30. April

Juden wird die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen

19. Juni

Reichspropagandaminister Goebbels erklärt Berlin für judenrein

1. Juli

up Juden in Deutschland verlieren Rechtsschutz durch die Justiz und unterstehen nur noch der Polizei


zusammengestellt aus:
Broszat, Martin; Frei, Norbert (Hrsg.):
Das Dritte Reich im Überblick. Chronik, Ereignisse, Zusammenhänge. München 1992.

Graml, Hermann:
Reichskristallnacht. Antisemitismus und Judenverfolgung im Dritten Reich. München 1988.

Juden, Christen, Deutsche. Bd. 1. Stuttgart 1990
Bd. 2/I. Stuttgart 1992
Bd. 2/II
Bd. 3/I
Bd. 3/II


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