Biographien
Adler-Rudel, Salomon
Der Sozialarbeiter Salomon Adler-Rudel wurde 1894 in Zernowitz in der Ukraine geboren.
Sein Wirken in Deutschland konzentrierte sich vor allem auf die Entwicklung einer Wohlfahrt
für jüdische Einwanderer aus dem Osten. In der Zeit von 1919 bis 1930 war er Direktor
der Wohlfahrtsorganisation der Ost-Juden in Berlin. Anschließend war Salomon Adler-Rudel
bis 1934 Direktor der Berliner Jüdischen Abteilung für produktive Wohlfahrt. Von 1926 bis 1928
war er Herausgeber der Jüdischen Arbeits- und Wanderfürsorge.
Programmatisches Ziel seiner Arbeit war es die Abhängigkeit von der Wohlfahrt zu reduzieren
und die Selbsthilfe zu verstärken.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Salomon Adler-Rudel nach England
und war von 1936 bis 1945 Beamter im Londoner Central British Found.
Während des II. Weltkrieges unterstützte er Aktionen zur Rettung von Juden aus Europa.
Nach dem Krieg wanderte er nach Erez in Israel aus und war dort in einer jüdischen Agentur
als Direktor der Abteilung für internationale Beziehung tätig.
Er engagierte sich erneut bei der Zusammenarbeit mit internationalen Flüchtlingsorganisationen
und Einwanderungsbehörden für die Einreise von europäischen Juden nach Israel.
Im Jahre 1956 wurde sein Buch Ostjuden in Deutschland 1880 - 1940 publiziert.
Seit 1958 war er Direktor des Leo Baeck Institute für Deutsche Juden in Jerusalem.
Martin Gerson wurde am 15. März 1902 in Czarnikau (Provinz Posen) geboren.
Nach Abschluß seiner Schulzeit begann er 1917 seine Lehre an der Israelitischen Gartenbau-
schule in Ahlem bei Hannover. In der Folgezeit arbeitete er auf verschiedenen landwirtschaft-
lichen Gütern. Sein 1927 begonnenes Studium an der Lehr- und Forschungsanstalt für Garten-
bau in Berlin-Dahlem und an der landwirtschaftlichen Hochschule Berlin schloß er als
Diplom-Landwirt ab. Nach einer Lehrertätigkeit in Ahlem und als Betriebsleiter der
Hauber-Baumschulen in Dresden-Tolkewitz begann er 1930 mit der Vorbereitung und
Durchführung des Siedlungsprojektes in Groß-Gaglow. Im Januar 1933 übernahm er die
Leitung der Hachscharaausbildung von Gut Winkel. Von der Reichsvertretung, Abteilung
Berufsausbildung und Berufsumschichtung, wurde ihm die Aufsicht über alle Hachschara-
Stellen übertragen. Nach der zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941 ging
er mit seiner Familie ins Landwerk Neuendorf. Am 16. Juni 1943 wurde er zunächst nach
Theresienstadt und von dort im Oktober 1944 nach Auschwitz gebracht. Dort wurde er sofort
nach seiner Ankunft ermordet (E.G. Lowenthal: Bewährung im Untergang. Ein Gedenkbuch.
Stuttgart 1965, S. 58ff.).
Ollendorff, Friedrich
Er spielte eine aktive Rolle in der Wohlfahrtshilfe in Deutschland. 1924 wurde er Direktor der
"Zentralwohlfahrtsstellen der deutschen Juden". Zusammen mit Max Kreuzberger wurde
er Koordinator der gesamten Gesetzgebung für die Wohlfahtseinrichtungen.
Selbiger, Alfred
Alfred Selbiger wurde am 3. Mai 1914 in Berlin geboren. Bereits 1933 arbeitete er leitend in
der Berliner Zionistischen Vereinigung und ab 1939 vor allem für die Jugend-Alija. Im
Zeitraum 1938/39 war er als Jugendleiter (Madrich) im Hachschara-Kibbuz Havelberg tätig.
Hier stand ihm seine spätere Frau Erika Katz zur Seite. Beide heirateten Anfang 1939. Als
Mitarbeiter im Palästinaamt war er zugleich der Leiter der zionistischen Jugendbewegung
"Makkabi Hazair/Brith Hazofim". Nach Auflösung des Palästinaamtes im Frühjahr 1941 arbeitete
er als Angestellter in der Personalabteilung der Reichsvereinigung. Im Dezember 1942 wurde
er verhaftet und erschossen (E. G. Lowenthal: Bewährung im Untergang. Ein Gedenkbuch.
Stuttgart 1965, S. 152ff.).
Silberpfennig, Kurt
Kurt Silberpfennig wurde am 22. Oktober 1905 in Thorn geboren. Als Lehrer arbeitete er
bis 1938 am Philanthropin in Frankfurt a.M., danach bis etwa 1942 war er in der Leitung
des Hechaluz. Er übernahm die Hachscharastelle in Steckelsdorf bei Rathenow und wurde
wahrscheinlich 1942 mit Frau und Kind nach Auschwitz gebracht (E. G. Lowenthal:
Bewährung im Untergang. Ein Gedenkbuch. Stuttgart 1965, S. 192).